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Befindet sich in Handewitt, seit Anfang der Siebziger Jahre. Besuchen Sie uns, probieren unsere Clogs an und genießen sie kompetente Beratung aus dem Norden.

Bottenshop Blog

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Bottenshop               Febr. 21      3 Min. Lesezeit 

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Holzschuhe kaufen im Bottenshop – worauf muss ich achten?

Aktualisiert: Jun. 19

 

Das ist unser Blog – hier werden regelmäßig Beiträge veröffentlicht. Vom FAQ bis zur hölzernen Zeitreise.

Hier findest du auf jede deiner Fragen eine Antwort.

Starten wir mit dem FAQ unseres Shops, danach beantworten wir einige grundlegende Fragen zum Thema Holzschuh.

Ich habe meine Holzschuhe gefunden , kann sie aber nicht auswählen.

Eventuell ist die ausgewählte Größe bzw. das Material nicht vorrätig.

In diesem Fall kontaktieren Sie uns einfach unter : bottenshop@gmx.de

Wünsche werden gerne entgegen genommen.

Wurde meine Bestellung bereits verschickt?

Unverzüglich nach dem Versand, erhalten Sie per E-Mail eine Versandbestätigung inklusive Sendungsnummer.

Ein Teil meiner Bestellung fehlt.

Sollte dies der Fall sein, kontaktieren Sie umgehend unseren Support. Vertrauen und Kulanz sind bei uns oberste Priorität.

Welche Zahlungsmethoden kann ich benutzen?

Paypal - Sofortüberweisung - Nachnahme - Überweisung - Stripe

Sollten Sie eine andere Zahlungsart wünschen, schreiben Sie an bottenshop@gmx.de

Wie funktioniert Paypal?

Einfach anmelden unter : https://www.paypal.com/de/home

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Auf Nummer sicher gehen / Der PayPal-Käuferschutz Ihre Daten sind bei PayPal wie in einem Schließfach sicher hinterlegt. Darüber hinaus sollte mal was schief gehen, erhalten Sie Ihr Geld zurück.

Sie haben mir falsche Ware geschickt.

Sollte dies der Fall sein, kontaktieren Sie schnellstmöglich unseren Support, daraufhin schicken wir Ihnen ein Retourenlabel zu, mit dem Sie die Ware zurückschicken können.

Wieviel kostet der Versand und wie lange dauert es?

Der Versand kostet regulär 4,19 Euro , dies gilt für die komplette Bestellung. Kaufen sie zwei Paar, zahlen Sie nur einmal Versand.

Wir nutzen DHL als Versanddienstleister.

Übersicht Versandkosten

Versandkosten innerhalb Deutschland 4,19 EUR

Nachnahmegebühr (nur in Deutschland) 4,00 EUR

Versandkosten innerhalb Europa 18,00 EUR

Versandkosten weltweit 33,00 EUR

Ist es sicherer Online zu bestellen?

Wir geben Alles, um das nötige Maß an Diskretion und Sicherheit zu leisten, um Ihren Online-Einkauf sicher gestalten zu können.

Selbstverständlich ist die sicherste Methode der Besuch in unserer Manufaktur.

Können Sie mir mehr Informationen über die Herstellung geben?

Das detaillierte Herstellungsverfahren inklusive Bilder finden Sie hier: https://www.bottenshop.com/wissenswertes

Was kostet mich eine Neuzustellung?

Eine Neuzustellung kostet 4,19 Euro.

Das ist der Standard - Inlandsversand .

Was mache ich wenn es mal nicht passt?

Wir sind jederzeit bereit Anpassungen zu machen, retournieren Sie den Artikel und schreiben Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie an, wir helfen Ihnen gerne weiter.

E-Mail : bottenshop@gmx.de

Telefonnummer : 04608 286

Welche Größe passt mir?

​Wie kann ich Holzschuhe online bei Ihnen bestellen?

Wählen Sie aus den verschiedenen Rubriken die gewünschten Artikel aus und legen Sie diese in den Warenkorb, von dort gelangen Sie zum Bestellformular.

Gerne nehmen wir Ihre Bestellung auch telefonisch (04608 286) oder per E-Mail entgegen.

Kann ich meine Holzschuhe auch vor Ort kaufen?

Besuchen Sie uns im Mühlenweg 14 in 24983 Handewitt.

Montags - Freitags: 09.00 - 12.00 Uhr // 14.00 - 16.00 Uhr

Samstags: 09.00 - 12.00 Uhr

Woraus werden meine Holzschuhe gefertigt?

Heutzutage wird in Deutschland und in den Niederlanden überwiegend Erlenholz genutzt, dies tun wir ebenfalls.

Wie pflege ich meine Holzschuhe?

Um austretenden Fußgeruch zu vermindern , reicht eine Behandlung mit scharfem Spülmittel, Alkohol o.Ä.

Alkohol hat den Nutzen, wiederauftretende Geruchsbildung zu beseitigen, welche in Leder oder Gewebe durch vielfältige Schichten überleben können.

Es kann aber nach einer Behandlung mit Alkohol zu einer rauen Oberfläche kommen, dies reibt sich aber durch Nutzen und Bewegung wieder ab.

Eine äußerliche Pflege ist im seltensten Fall nötig, sollte dies einmal der Fall sein, nutzen Sie ein Produkt für Holz oder Etwas zum Imprägnieren.

Leinöl ist hier eine clevere Lösung, da es die natürliche Maserung zur Geltung lassen kommt. 

Da Holzschuhe so pflegeleicht und robust sind, reicht meist ein ordentliches reinigen mit der Hand.

Hartnäckige Flecken können mit Schleifpapier behandelt werden.

​Lediglich nach einem kompletten Durchnässen der Schuhe, ist es sinnvoll das Material langsam trocknen zu lassen. Vermeiden Sie

hier eine direkte und aggressive Sonneneinstrahlung.

Wofür sind meine Holzschuhe nicht geeignet?

Grundsätzlich ist der Holzschuh vielfältig einsetzbar, jedoch gibt es einige Dinge die man vermeiden sollte.

​Hierzu zählen wir :

​- Auto fahren

- riskante Sportarten

- Bergsteigen o.Ä.

​Wo bekomme ich Informationen und News zu eurem Geschäft?

Unseren älteren, zweiten Shop finden Sie unter: https://holzschuhladen.de

Facebook : facebook.com/bottenshop

Twitter : twitter.com/bottenshop

Weitere Informationen über unsere Holzschuhe, die Geschichte unseres Unternehmens und dem Thema gesund Laufen,

finden Sie auf folgenden Seiten :

https://de.wikipedia.org/wiki/Holzschuh

https://www.bottenshop.com/wissenswertes

https://holzschuhladen.de/ <- unser alter – dennoch aktiver Onlineshop.

http://www.maz-online.de/Brandenburg/Manufaktur-fertig-Holzschuhe-nach-alter-Tradition <- interessanter Artikel zum Thema.

https://de.wiktionary.org/wiki/Holzschuh <- Begrifflichkeiten erklärt.

 

Bottenshop               Febr. 22      2 Min. Lesezeit 

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Herstellung

 

Die folgenden Arbeitsschritte sind die gängigen Handgriffe, um ein Holzschuh nach dänischer Art zu produzieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der erste Schritt ist das Ausfräsen der Holzsohlen. Diese werden danach zum Schutz in Holzfarbe eingetunkt und trocknen anschließend.

Als nächstes wird das Oberleder vorbereitet, dafür stanzt man die Lederhaut in den nötigen Größen aus. Im Falle eines Loches, wie beispielsweise von Stacheldraht oder dergleichen, werden diese beim Stanzen ausgelassen.

 

Damit sich die Lederstärke nicht verändert, werden die Nahtstellen bei geschlossenen Holzschuhen mit einer Lederspaltmaschine bearbeitet, um die nötige Stabilität zu gewährleisten. 

 

Sobald die ausgestanzten Lederteile fertig sind, werden sie mit einem Faden aus Nylon vernäht. Dazu kommt am Einstiegsloch ein Kantenband, anschließend werden herausstehende Fäden etc. entfernt und die Enden versiegelt. 

 

Zwischenzeitig sind die Holzsohlen getrocknet und alles wurde vernäht, nun sind wir bereit für eine Fersenkappe. 

Jedoch ist dies lediglich bei den geschlossenen Fersen nötig.

Um das Leder zu lockern, nutzt man heißes Wasser, um es daraufhin an der Holzsohle zu vernageln. 

Hierfür nutzen wir 16mm lange Nägel und eine automatische Luftdrucknagelpistole.

 

 

Als nächstes formen wir den Botten. Dazu nutzen wir eine Wasserdampfmaschine, die mit einer hohen Temperatur das Oberleder geschmeidig macht. 

Danach nutzen wir einen Leisten, den man in den Schuh einschiebt, um die Form zu geben. Daraufhin wandert der fast fertige Schuh in einen Heißluftofen und verbringt dort eine Nacht.

 

Sobald der Schuh getrocknet ist, wird der Leisten entfernt. 

Bei den Holzsohlenschuhen (Clogs) wird jetzt ein sogenannter Ristriemen eingesetzt, dies ist der Riemen über dem Spann. 

 

Als letzter Schritt bekommt der Schuh sein Etikett, wird gebündelt und wandert dann direkt in den Verkauf. 

 

Bottenshop               April. 26      12 Min. Lesezeit 

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Artikel aus "Bestes Handwerk" Schleswig-Holstein von Sabine Schrader | Axel Nikolaus

 

Rein in die Pantinen!

Noch bis vor wenigen Jahrhunderten war die Holzschuhherstellung in der deutsch-dänischen Grenzregion weit verbreitet. Zwei Varianten gab es: Komplett aus Holz angefertigte Schuhe der Clogs, bei denen die Sohle aus Holz , das Oberteil jedoch aus Leder bestand.

Im kleinen Familienbetrieb von Hans-Jörg Göllnitz in der Ortschaft Handewitt werden die Clogs auch heute noch hergestellt. Im Ladengeschäft hängt das traditionsreiche Laufwerk paarweise an Ständern oder steht auf den Regalen: Modelle mit fröhlichen Blumenmustern, in bunten Sommerfarben oder schlichtem Schwarz. Die Auswahl beginnt bei Größe 24 - passend für Kinderfüße ab zwei Jahren - bis hin zum Riesen-Schuhwerk der Größe 50.

Gleich hinter dem Laden befindet sich die Werkstatt. In zweiter Generation werden hier Sohlen ausgefräst, Oberteile aus Rindsleder ausgestanzt, Lederteile vernäht , genagelt und schließlich der Leisten in den fertigen Schuh gedrückt. In den späten 1970er-Jahren hatten die Eltern von Hans-Jörg Göllnitz die Werkstatt übernommen, jahrzehntelang selbst die Holzpantoffeln in Eigenregie produziert und sie auf dem Wochenmarkt in Husum und dem Fischmarkt in Eckernförde verkauft.

Das Geschäft floriert. Zwar sind die Marktbesuche weniger geworden , dafür finden die Holzpantinen längst via Internet ihre Käufer. Per Paketpost werden die Schuhe aus Schleswig-Holstein sogar bis nach Australien verschickt. „Neunzig Prozent unserer Produktion geht an den Großhandel“ , erklärt Hans-Jörg Göllnitz in seiner unkompliziert-freundlichen Art. „Wir haben einen Qualitätsstandard gesetzt und für den wollen wir weiter persönlich bürgen“ , verspricht der studierte Betriebswirt.

Ausschnitt aus " Lebendiges altes Handwerk in Schleswig-Holstein"

Schuhwerk für Riesen

Buntes Wochenmarkttreiben in Husum - weit verzweigen sich die kleinen Stände in den Straßen der Altstadt. Eine der langen Reihen von Verkaufswagen endet am Roten Tor. Hier , neben Cremes-Wägelchen und Honigverkauf , steht seit Jahr und Tag Wilma Göllnitz. Sie kommt aus Handewitt , nahe der dänischen Grenze , und verkauft Holzpantoffeln. Wilma Göllnitz ist die letzte Holzpantoffelmacherin in Schleswig - Holstein , die sich mit diesem beinahe ausgestorbenen Handwerk noch eine eigene Existenz aufgebaut hat.

Das sie ihre Werkstatt so weit oben im Norden ansiedelte , ist beileibe kein Zufall, denn die Pantoffelmacherei hat hier Tradition. Gleiches gilt übrigens für die verwandte Holzschuhmacherei. Zu unterscheiden sind beide dadurch, dass bei Holzschuhen der gesamte Korpus aus Holz besteht, während bei Pantoffeln ( Pantinen , Clogs) nur die dicke Sohle aus Holz gefertigt wird, das Oberteil hingegen aus Leder. Früher, etwa im 18. Jahrhundert, gab es in den ländlichen Bezirken des deutsch-dänischen Grenzgebiets etliche Vertreter beider Handwerke. Sie wurden damals nicht selten von ein und derselben Person ausgeübt.

Wilma Göllnitz und ihr Mann Hans-Jürgen, beide Ende 50, sind mit ihrem Verkaufsstand inzwischen auf den schleswig-holsteinischen Wochenmärkten weithin bekannt.

Nicht nur , dass man auch am entgegengesetzten Ende des Husumer Wochenmarktes weiß , wo sich ihr Stand befindet - sogar die umliegenden Schuhgeschäfte nennen den Namen Wilma Göllnitz , wenn nach Pantinen gefragt wird. Manchmal verkauft sie zwanzig Paar an einem Tag , manchmal aber auch fünfzig oder hundert.

Seit zehn Jahren bereist die Holzpantoffelmacherin mit ihrem Mann die Wochenmärkte : Husum , Heide , Schleswig , und jeden ersten Sonntag im Monat den Eckernförder Fischmarkt. Früher , als sie noch keinen Ladenverkauf in Handewitt machten , da sind sie hinuntergefahren bis nach Glückstadt und Geesthacht , ja , sogar sonntags in aller Herrgottsfrühe nach Hamburg zum berühmtem Fischmarkt von St. Pauli.

Fast scheint es , als würde Wilma Göllnitz sagenhafte Riesengestalten unten ihren zu beschuhenden Kunden erwarten, denn selbst für Größe 52 hat sie etwas zu bieten. Auf der anderen Seite gibt es auch für kleine Kinder passende Fußbekleidung aus Holz mit Lederüberzug in leuchtendem Rot oder Blau.

Das Erbender Amerikafahrer

In Handewitt selbst gibt es , wie bereits angedeutet , neben der Werkstatt auch noch einen kleinen Laden , der nachmittags geöffnet hat. Beides ist in einem flachen, schmucklos-funktional wirkenden Gebäude untergebracht - der „Arbeitshalle“ , wie es vom Ehepaar selbst genannt wird. Rasch aber ändert sich der erste , eher nüchterne Eindruck hier im Mühlenweg 14 , wenn beim Eintreten die melodische Türglocke erschallt und man Hunderten von buntbelederten Pantinen gegenübersteht. Paarweise stehen sie auf den Regalen und warten auf Kundschaft.

Seit über fünfzehn Jahren lebt und arbeitet Wilma Göllnitz hier am Ortsrand von Handewitt , immer in Rufweite zum eigenen , auf demselben Grundstück liegenden Wohnhaus. „ Wir haben Haus und Werkstatt 1978 von Bekannten übernommen“ , erzählt sie , „die sind nach Amerika gegangen - vielleicht haben sie mit der Holzpantoffelmacherei so viel verdient , dass sie sich eine Villa in Florida leisten konnten..“ Über diesen Scherz muss sie selber lachen , denn in Wirklichkeit war und ist es doch eher ein mühseliges Gewerbe. Aber gab es Alternativen in einem Alter , wo viele eher an die Rente als an einen Neuanfang denken? Ihr Mann hatte aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf als LKW-fahrer aufgeben müssen , und sie selbst war bis dahin Hausfrau gewesen. So wurden die Bedenken beiseite geschoben, und Wilma Göllnitz ging bei ihren Vorgängern in die Lehre - einen geregelten Ausbildungsgang für Holzpantoffelmacherei gibt es schließlich nicht. „Die sagten dann: Komm doch mal vorbei, in zwei Wochen hast du das gelernt. Aber ich konnte nicht einmal die verschiedenen Modelle auseinanderhalten und packte die Schuhe immer in die verkehrten Kartons. Als die vierzehn Tage vorbei waren , dachte ich: Das schaffe ich nie.“ Die Skepsis war jedoch unbegründet, denn mit der Unterstützung ihres Mannes und ihrer drei Kinder wurden die Anfangsschwierigkeiten überwunden.

Heute bedeutet die Holzpantoffelmacherei für Wilma Göllnitz eine Arbeit, die fast nie endet :“ Für anderes ist kaum noch Zeit. Früher , als die Kinder noch im Haus waren, haben die mitgeholfen , da konnten wir auch mal mit zwei Autos zu den Märkten fahren“. Aber den Betrieb zu übernehmen, das konnte und wollte sie dem Nachwuchs nicht zumuten. „Es ist einfach für die mühselige und lange Arbeitszeit zu wenig Lohn. Der Stundenlohn, wenn man ihn mal wirklich ausrechnet , ist einfach zu niedrig“. Vor allem in den Wintermonaten kommen tagelang keine Kunden in den Laden. Aber die sich einstellende Melancholie vergeht auch wieder. „Wenn dann im Frühjahr die Sonne hervorschaut und es besseres Wetter wird, sind mit einem Mal zehn Leute zugleich hier“. Dann ist die Zeit von Garten - und Feldarbeit herangenaht, die nach praktischem und robustem Schuhwerk verlangt.

Im übrigen bleiben ja die Wochenmärkte. Wilma Göllnitz hat dort ihre festen Standorte, „Jahresplätze“ , wie sie genannt werden. Aber sie muss früh aufstehen, denn wenn man um acht Uhr nicht präsent ist , wird der Platz neu vergeben - so jedenfalls ist die Regelung in Husum.

Wie schon erwähnt, sind sie früher auch zum Hamburger Fischmarkt gefahren , dort , wo sich Sonntags in alle Frühe ermatete Nachtschwärmer, neugierige Touristen und Einheimische , die ein schnelles Schnäppchen suchen , an der Elbe zu buntem Treiben zusammenfinden. Mit eher zwiespältigen Gefühlen denkt Wilma Göllnitz an diese Zeit zurück. „Da mussten wir morgens um halb zwei los. Konnten gar nicht schlafen vor Angst , nicht aufzuwachen. Denn Sie müssen um halb vier da sein , um noch einen Stand zu bekommen. Zum Teil haben wir dort sehr gut verkauft. Aber viele kommen auch hin und wollen nur billig einkaufen. Und einmal haben sie uns auf dem Fischmarkt einen einzelnen Pantoffel geklaut - was die wohl damit wollten…?“

Pantoffeln mit eingebautem Brandschutz

Vielleicht handelte es sich bei diesem Objekt der Begierde um einen jener Schuhe , die sichWilma Göllnitz fast hätte patentieren lassen können. Eigentlich klingt es wie eine Geschichte aus Schilda: Ein Kunde wollte Schuhe kaufen , die bestimmten DIN-Anforderungen entsprachen , also Normschuhe , wie er sie aus Dänemark kannte. Wilma Göllnitz hatte davon noch nie gehört , erkundigte sich aber , um allen Eventualitäten vorzubeugen, bei den zuständigen Behörden. Ergebnis blieb jedoch: In Deutschland gab und gibt es keine DIN-Norm für Holzpantoffeln. - Nur eine von der Behörde - berichtet sie schmunzelnd , - die war dann ganz schlau und hat gesagt , ja , wenn Sie an Ihre Holzpantoffeln eine Brandschutzsohle ankleben , dann kann ich Ihnen eine DIN-Nummer geben. Da habe ich für mich gedacht : „Wie kurios - ein Pantoffel mit eingebautem Brandschutz..“

Aber auf diese beamtenoffizielle und wenig praxisnahe Anregung konnte und wollte Wilma Göllnitz nicht eingehen. Immerhin ist die dicke Holzsohle ihrer Schuhe unten mit einer dünnen Schicht aus geriffeltem Kunststoff beklebt , damit sie rutschfest sind. Bei anderen Modellen ist sogar die gesamte Holzsohle aus hygienischen Gründen von einer Kunststoffschicht überzogen - Schuhe , die vor allem in Großküchen getragen werden.

Damit sind wir schon bei der Herstellung , der eigentlichen Handwerksarbeit. Es gibt durchaus unterschiedliche Varianten unter den Holzpantoffeln , wie Wilma Göllnitz berichtet : „Da gibt es etwa die schwedischen , die haben eine spitzere Form und eine etwas andere Sohle“. Wilma Göllnitz aber hat sich auf jene dänische Art spezialisiert, die sich durch relativ breite Form auszeichnet und oben rundum mit farbigem Leder besetzt ist. Neben dieser als „Kapp“ bezeichneten geschlossenen Form , die vor allem für die Berufsarbeit nachgefragt wird , produziert sie auch Schuhe , die hinten offen sind und eher im Hobby - und Freizeitbereich getragen werden.

Der Anteil beider Formen hält sich im Verkauf etwa die Waage.

Vor Beginn der Arbeit wird das Holz in eine naturfarbene beziehungsweise schwarze Beize getaucht, um die Schuhe zu imprägnieren. Die Holzpantoffelmacherin nimmt inzwischen Buchenholz für ihre Modelle. „ Angefangen haben wir mit Birke und Erle aus Finnland. Die sind natürlich leichter beim Gehen. Aber wenn sie nass werden , dann ziehst denen an der Seite die Klammern heraus und löst sich das Leder von der Sohle.“

Wenn also die robuste Holzsohle das Hauptelement der Schuhe bildet , so bringt das Leder Farbenfreude, ja , fast ein wenig Eleganz. Einige Modelle sind übrigens mit einem Ristriemen versehen , der dem Oberleder zusätzlich eine aparte Note gibt. Bei der Befestigung des Oberleders wendet die Holzpantoffelmacherin die -neue Methode- an : „Da wird das Leder mit der Maschine gleich in passender Form ausgestanzt und dann auf das Holz aufgenagelt. Dann erst drücken wir die Leisten hinein.“ Die in allen Größen vorhandenen Leisten diesen , wie überall bei den Schuhmachern, der richtigen Passform. Bei der sogenannten alten Methode , wie sie die Holzpantoffelmacherin früher praktiziert hatten , wurde zuerst der Leisten auf die Sohle gelegt und anschließend damit begonnen , das noch nicht passgerechte Oberleder an der Sohle festzunageln. Die überstehenden Reste wurden dann mit einem Messer abgeschnitten.

In der Werkstatt von Wilma Göllnitz gibt es für jede Schuhgröße ein besonderes Stabeisen , das in die Maschine eingespannt wird. Unter lautem Gemurre stanzt die Maschine dann die jeweils passende Form aus dem Leder. „ Das ist präziser und geht viel schneller als mit der Schere. Bei 150 stück pro Tag würden Sie ohne Stanzmaschine abends auch an Ihren Fingern spüren , dass sie was getan haben..“ Das ausgestanzte Oberleder wird schließlich zusammengenäht und mit Hilfe der Nagelmaschine auf die Holzsohle genagelt. Handelt es sich um geschlossene Schuhe , so wird zuvor noch ein wenig Holz an der Ferse abgefräst , um dort eine Verstärkungskappe befestigen zu können. Diese bestand früher aus gehärteter Pappe , heute ist sie aus Kunststoff.

Dann endlich dürfen sich die Paare im Trockner bei rund 60 Grad für zwölf Stunden ausruhen. Nach diesem Wärmend wird Paar für Paar noch einmal sorgfältig überprüft. Auch die Fäden am Oberleder müssen noch abgebrannt werden - dieses - Absengeln - verhindert im Gegensatz zum sonst üblichen Schneiden , dass sich die Fäden weiterziehen. Dann wären die Schuhe fertig für die rollenden Regale im angrenzenden Lagerraum , würde nicht Wilma Göllnitz so viel Wert darauf legen , dass die einzelnen Paare jeweils noch zusammengebündelt werden: „Sonst kommen Sie ja ganz durcheinander, mit den Größen , mit links und rechts“. Wir erinnern uns - gabs da nicht Probleme mit der Sortiererei beim Anlernen damals? Wie einen doch die ersten Erfahrungen mit der Materie prägen können…

„Die pokerten richtig..“ :

Über Vertriebswege und Konkurrenzprodukte

Früher beschäftigte Wilma Göllnitz noch einen Vertreter für den Vertrieb der Schuhe. „Zuerst lief das auch ganz gut , weil der eine Menge Aufträge hereinbrachte. Dann wurden es aber immer weniger neue , und obwohl die alten Kunden längst direkt bei uns bestellten , wurde die Provision für den Vertreter immer wieder fällig. „ Immerhin kamen die Aufträge damals langfristig und gesammelt ins Haus. Schon im Herbst also wusste fristig und gesammelt ins Haus. Schon im Herbst also wusste Wilma Göllnitz , wie viele Schuhe sie im Frühjahr brauchen würde. „ Heute dagegen rufen Sie alle ganz kurzfristig an und wollen die Schuhe am liebsten vorgestern geliefert haben ,“ seufzt sie.

Auch die Tatsache , dass Billigmärkte saisonweise Holzpantoffeln im Angebot haben , sorgte für Ängste um die eigene Existenz : „Die verkaufen dann 100000 Clogs für einen Spottpreis. „ Natürlich hält derartige Massenware größeren Belastungen nicht stand. „Und dann kommen die Leute hinterher zu uns mit den Schuhen und sagen: Mensch , guck mal. Als ob wir was dafür können“. Auch Wilma Göllnitz wurde einmal solch ein Großauftrag angeboten: „Dann haben wir gerechnet und gerechnet , und die haben den Einkaufspreis immer weiter gedrückt. Die sagten , ich habe hier eine Firma , die macht es noch billiger. Also , die pokerten richtig , immer ein paar Groschen wieder herunter. „ Das Geschäft jedenfalls kam nicht zustande , und inzwischen kann Wilma Göllnitz gut mit der Billigkonkurrenz leben , denn ihre eigenen Kunden wissen schon zu schätzen , was sie an der aufwendigeren und damit etwas teureren Handarbeit aus Handewitt haben. Im übrigen ist das Ehepaar Göllnitz jederzeit bereit , größere Bestellungen mit dem eigenen Wagen anzuliefern - notfalls bestellen sie sogar einen Spediteur.

> Man will doch auf die Märkte und sehen , was los ist .. <

Wenn es auch für eine Strandvilla in Florida wohl nie reichen wird , so haben sich doch Wilma und Hans-Jürgen Göllnitz mit ihrer ungewöhnlichen Art des Lebensunterhaltes längst angefreundet. Allen Widrigkeiten zum Trotz möchten sie die vielen Kontakte nicht mehr missen , die ihnen die Arbeit eingebracht hat. So denkt Wilma Göllnitz trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch daran , bald aufzuhören: „Ein paar Jahr wollen wir es schon noch machen. Ich sprach gerade heute morgen auf dem Markt in Husum mit meiner Nachbarin. Die sagte zu mir : „ Menschen , weißt du , wenn ich morgens aufwachse und kann nicht los, dann fehlt mir doch irgend etwas. Und so geht es mir auch. Man will doch auch auf die Märkte und sehen , was die anderen machen..“

Die Märkte sind das eine, die persönlichen Kontakte , über den Laden das andere. Viele Kunden kommen wieder nach jenen acht , neun Jahren , die ihre Schuhe gehalten haben : „ .. die haben dann oft Angst , wir würden gar nicht mehr existieren. Sogar aus Dänemark reist Kundschaft an. Im Sommer , in der Hauptferienzeit , kommen auch noch viele der Urlauber in den Laden , die Wilma Göllnitz auf den Wochenmärkten kennengelernt haben. Nicht selten müssen dann andere Dorfbewohner nach dem Weg gefragt waren , denn der Laden der Holzpantoffelmacherin ist nicht gerade leicht zu finden. Wenn es denn gar nicht geklappt hat mit der Orientierung oder die Zeit zu knapp war für einen persönlichen Besuch , dann packt Wilma Göllnitz auf telefonische Bestellung hin auch gern ein Paket. So manches Paar Holzpantoffeln ist also schon per Post Richtung Schwarzwald gegangen.

Andere Kunden wiederum benötigen wegen der beruflichen Belastung jedes Jahr ein neues Paar. Denn für Schlachter , Schlosser , Landwirte und Transportarbeiter bieten die Pantinen nicht nur Schutz vor Schmutz und Nässe , sondern auch vor schweren oder scharfen Gegenständen.

Entsprechend groß ist die Beanspruchung. Einige Modelle verfügen sogar vorn über eine Stahlkappe - gewisse Vorzüge leuchten eben schnell ein: „Die werden dann von Schlachtern genommen. Wenn mal ein Hackebeil herunterfällt , ist der große Zeh nicht gleich ab..“

Einen ganz besonderen Kontakt aber hat das Ehepaar Göllnitz zu Lorenz Hamann aus Peretz gefunden. Lorenz Hamann - das ist einer jener alten Holzpantoffelmacher , die hauptberuflich inzwischen längst einer anderen Arbeit nachgehen und ihr traditionelles Handwerk nur noch nach Feierabend ausüben oder am Wochenende für die Besucher der Freilichtmuseen. Immer wieder wird das Ehepaar Göllnitz nach Preetz eingeladen , wo man sich über die - alte - und die - neue - Fertigungsmethode austauscht und vielleicht auch einmal einen Blick zurück in die Vergangenheit wirft…

Das die Schuhmacher barfuß laufen müssen..

Preetz - diese Stadt zählte einst zu den Hochburgen der Schuhmacher in Schleswig-Holstein, Mitte des 19. Jahrhunderts gab es dort über 150 Meister! Aber in Preetz , und nicht nur dort , hatte das Schuhmacher-Handwerk schon damals mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen , hervorgerufen nicht zuletzt durch die Überbesetzung. Viele Schuhmacher konnten im letzten Jahrhundert nur durch Nebenverdienste existieren : Flaschenhandel , Speckräucherei oder Vermietung von Badekarren waren nichts Ungewöhnliches für einen Meister. Aus solchen Umständen resultierte auch das alte Sprichwort , dass jene Handwerker , die anderen Leuten ihre Schuhe herstellten , selbst barfuß laufen müssen. So überrascht es Schuhmacherhandwerks Ende des 19.Jahrhunderts heißt : „ .. für die Masse aber gibt es keine Rettung. Immer mehr schrumpft die Zahl der unabhängigen Handwerker zusammen; immer stärker wird der Zug nach der Fabrik.“

Das galt erst recht für die Holzschuh- und Pantoffelmacherei. Immerhin hatte es noch Mitte des 18. Jahrhunderts in den ländlichen Gebieten Nordschleswigs etliche eigenständige Holzpantoffelmacher gegeben , allein 18 im Distrikt Sonderburg. Sonst wurden Holzpantoffeln großenteils im Nebenerwerb hergestellt , etwa von Landarbeitern - es war eine typische Winterbeschäftigung.

Aber der steigende Lebensstandard ließ den Bedarf an dieser Art Fußbekleidung zugunsten der Lederschuhe zurückgehen.

Spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgte dann die industrielle Konkurrenz dafür , dass die übrigbleibende Nachfrage billiger durch Fabrikware gedeckt werden konnte. Die Modernisierung mit ihren dampf-. später auch elektrisch betriebenen Maschinen hatte also auch hier Einzug gehalten. Die häufig ja nur für den Eigenbedarf betriebene handwerkliche Pantoffel- und Holzschuhmacherei aber verlor damit rapide an Bedeutung.

Nun , auch Wilma Göllnitz nutzt natürlich auch die Segnungen moderner Technik , um sich die handwerkliche Arbeit zu erleichtern. Aber noch immer wandert jedes hier gefertigte Paar Holzpantoffeln durch ihre Hände. Und die Holzpantoffelmacherin hat heute sicherlich nicht mehr - wie einst die Preetzer Meister - mit Überbesetzung in ihrem Gewerbe zu kämpfen. So besteht durchaus Hoffnung , dass wenigstens noch für einige Jahre die Holzpantoffeln aus Handewitt den Weg antreten werden auf die schleswig-holsteinischen Wochenmärkte.

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